Ratgeber

Fenster tauschen im Sanierungsprojekt richtig einplanen

Worauf es beim Fenstertausch im Bestand ankommt, damit Anschluss, Wärmeschutz und Lüftung zusammenpassen.

Fachbeitrag von RaBau Komplettsanierung · Thema Umbau und Modernisierung

Neue Fenster gehören zu den beliebtesten Modernisierungsschritten, weil der Gewinn sofort spürbar ist. Es zieht nicht mehr, der Straßenlärm verschwindet, die Scheiben beschlagen nicht mehr an kalten Tagen. Zugleich ist der Fenstertausch der Eingriff, bei dem im Bestand am häufigsten Folgeschäden entstehen. Der Grund liegt selten am Fenster selbst, sondern am Anschluss an die Wand, an der veränderten Luftdichtheit und daran, dass die Maßnahme isoliert betrachtet wurde.

Dieser Beitrag beschreibt, worauf es bei der Bestandsaufnahme ankommt, wie sich Rahmenmaterial, Verglasung und Beschlag sinnvoll auswählen lassen, wie der Einbau und die Bauanschlussfuge fachgerecht ausgeführt werden und welche Rolle Lüftung und Feuchteschutz nach dem Austausch spielen. Außerdem geht es um die Einordnung des Fenstertauschs in ein größeres Sanierungsprojekt, damit Reihenfolge und Schnittstellen zu Fassade, Innenausbau und Heizung stimmen.

Warum der Fenstertausch selten allein steht

Ein Fenster ist die schwächste Stelle in der Gebäudehülle und zugleich ihre am stärksten beanspruchte Fuge. Es muss Wärme halten, Schall dämmen, Regen und Wind abweisen, Einbruchversuchen standhalten, Licht hereinlassen und sich dabei bewegen lassen. Wird nur das Bauteil getauscht und der Rest unverändert gelassen, verschieben sich die Verhältnisse in der Hülle spürbar. Besonders deutlich zeigt sich das beim Feuchteschutz. In einem alten Haus waren die undichten Fenster die Stelle, an der Feuchte aus der Raumluft entwich und an der Kondensat sichtbar wurde.

Nach dem Tausch ist das Fenster das am besten gedämmte Bauteil, und die kälteste Oberfläche wandert an die Laibung, in die Zimmerecke oder hinter den Schrank an der Außenwand. Dort kann Schimmel entstehen, wenn niemand die Luftfeuchte im Blick behält. Deshalb gehört der Fenstertausch in die Gesamtplanung. Ist eine Dämmung der Fassade absehbar, beeinflusst das die richtige Einbaulage des Fensters. Steht eine neue Heizung an, verändert sich die benötigte Leistung.

Bestandsaufnahme von Fenster, Laibung und Anschluss

Vor jeder Entscheidung steht die Aufnahme des Bestands. Dazu gehören Rahmenmaterial, Zustand von Holz oder Beschlag, Art der Verglasung, Öffnungsart und Aufteilung der Flügel sowie die Frage, ob ein Rollladenkasten vorhanden ist. Wichtig sind außerdem die Wandstärke, der Wandaufbau und die Frage, ob es sich um eine einschalige Wand, eine zweischalige Konstruktion oder um Fachwerk handelt. Ebenso genau wird die Anschlusssituation betrachtet.

Sitzt der alte Rahmen in einem Falz, außen bündig oder mittig in der Laibung, gibt es eine innere Anschlagkante, wie ist die Fensterbank ausgebildet und wie wird das Wasser abgeführt. Diese Details entscheiden über die Machbarkeit einzelner Einbauarten und über den Aufwand für die Wiederherstellung von Putz und Anstrich. Nicht zuletzt lohnt der Blick auf den Bauteilzustand. Feuchte Laibungen, Risse im Sturzbereich, schadhaftes Holz im Blendrahmen oder ein durchfeuchteter Rollladenkasten weisen auf Vorschäden hin, die vor dem Einbau behoben werden müssen.

Rollladenkästen und Wärmebrücken im Altbestand

Alte Rollladenkästen sind häufig die kälteste und undichteste Stelle im ganzen Raum. Beim Fenstertausch bietet sich die Gelegenheit, den Kasten zu dämmen, luftdicht auszubilden oder ganz durch einen Aufsatzkasten oder einen außenliegenden Vorbau zu ersetzen. Auch andere Anschlussbereiche verdienen Aufmerksamkeit. Betonstürze, durchgehende Ringanker und schlanke Brüstungen unter dem Fenster leiten Wärme nach außen. Ein Dämmstreifen in der Laibung, auf der Sturzunterseite und an der Brüstung senkt das Risiko von Kondensat an diesen Stellen erheblich.

Rahmen, Verglasung und Beschlag sinnvoll auswählen

Bei der Verglasung ist die Mehrscheibenverglasung mit gedämmtem Randverbund heute der Regelfall. Neben dem Wärmeschutz zählen der Lichteinfall und der sommerliche Wärmeschutz, denn stark beschichtete Gläser lassen weniger Sonnenwärme herein, was im Winter Heizenergie kostet und im Sommer den Raum kühler hält. Nach Himmelsrichtung unterschiedliche Gläser sind deshalb oft die klügere Wahl als eine einheitliche Ausführung. Beim Schallschutz entscheidet die Kombination aus Scheibenaufbau, Rahmen, Dichtungen und vor allem dem Anschluss an die Wand.

Eine hochwertige Scheibe nützt wenig, wenn die Fuge undicht bleibt oder der Rollladenkasten Schall durchlässt. Auch die Einbruchhemmung gehört zu diesem Paket, denn sie ergibt sich aus Beschlag, Verglasung, Rahmenverankerung und abschließbaren Griffen im Zusammenspiel. Die Öffnungsart wird oft unterschätzt. Große feststehende Felder wirken luftig, lassen sich aber nicht reinigen und nicht zum Lüften nutzen. Bodentiefe Elemente brauchen einen sicheren Zugang und einen guten Anschluss am Boden.

Rahmenmaterial und Aufwand für die Pflege

Kunststoffrahmen sind pflegeleicht und wirtschaftlich, benötigen jedoch bei großen Formaten Verstärkungen und wirken bei schmalen Ansichten weniger filigran. Holz bietet ein angenehmes Raumklima und passt zu historischer Substanz, verlangt aber einen dauerhaften Wetterschutz und regelmäßige Pflege. Die Kombination aus Holz mit außenliegender Aluminiumschale verbindet beides und ist entsprechend aufwendiger. Bei geschützter Bausubstanz ist zudem die Ansicht entscheidend, denn Teilung, Profilbreite und Oberfläche müssen zum Gebäude passen. Sprechen Sie diese Punkte früh mit der zuständigen Behörde ab.

Einbau und Ausbildung der Bauanschlussfuge

Der Anschluss zwischen Rahmen und Wand ist die eigentliche Schwachstelle. Fachgerecht wird er in drei Ebenen ausgeführt. Innen liegt die luftdichte und dampfbremsende Ebene, die verhindert, dass warme Raumluft in die Fuge gelangt. In der Mitte sorgt eine gedämmte Ebene für den Wärmeschutz und für die Dämmung des Schalls. Außen schützt eine schlagregendichte, aber diffusionsoffene Ebene vor Wasser und lässt Restfeuchte entweichen. Bauschaum allein erfüllt diese Aufgabe nicht. Er dämmt zwar, ist aber weder zuverlässig luftdicht noch dauerhaft schlagregensicher.

Üblich sind deshalb vorkomprimierte Dichtbänder oder Folien mit passenden Klebeflanschen, die auf einem tragfähigen und sauberen Untergrund verklebt werden. Der Untergrund muss vorbereitet werden, was im Altbau mit bröseligem Putz zusätzliche Arbeit bedeutet. Ebenso wichtig ist die Befestigung. Der Rahmen wird mit geeigneten Ankern oder Schrauben so verankert, dass Lasten aus Wind und Bedienung sicher in die Wand geleitet werden und der Rahmen sich nicht verzieht. Zum Schluss folgt die Fensterbank mit Gefälle, seitlichen Aufkantungen und dichtem Anschluss.

Einbaulage bei geplanter Fassadendämmung

Soll die Fassade später gedämmt werden, gehört das Fenster möglichst weit nach außen, idealerweise in die spätere Dämmebene. Nur so umschließt die Dämmung den Rahmen und die Wärmebrücke an der Laibung wird klein. Wird das Fenster dagegen in der alten Lage belassen, bleibt eine tiefe Laibung mit erhöhtem Risiko für kalte Oberflächen. Deshalb sollte die Reihenfolge von Fenstertausch und Fassadenarbeiten früh festgelegt werden. Andernfalls sind zumindest Laibungsdämmung und ein sauberer Übergang zur späteren Dämmebene vorzusehen.

Lüftung und Feuchteschutz nach dem Austausch

Nach dem Tausch ist die Hülle dicht, und die Feuchte aus Kochen, Duschen, Wäsche und Atmung findet keinen unkontrollierten Weg mehr nach außen. Damit steigt die Luftfeuchte im Raum, und an den kältesten Oberflächen bildet sich Kondensat. Deshalb verlangt das Regelwerk zur Lüftung, dass beim Austausch der Fenster ein Lüftungskonzept erstellt wird, sofern ein erheblicher Teil der Fenster erneuert wird. Aus diesem Konzept ergibt sich, ob die Nutzerlüftung über Fenster ausreicht oder ob technische Maßnahmen nötig sind.

Möglich sind Außenwandluftdurchlässe, Fensterfalzlüfter, Abluftanlagen oder eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Welche Lösung passt, hängt von Gebäudegröße, Nutzung, Schallschutzanforderung und davon ab, ob ohnehin Leitungen verlegt werden. Ergänzend hilft ein bewusstes Nutzerverhalten. Kurzes Querlüften mit weit geöffneten Fenstern tauscht die Luft schnell aus, ohne die Bauteile auszukühlen. Ein einfaches Hygrometer im Wohnraum macht die Luftfeuchte sichtbar und ist die günstigste Vorsorge gegen Schimmel.

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Checkliste für den Fenstertausch

  • Nehmen Sie Wandaufbau, Einbaulage und Zustand der Laibung vor der Bestellung auf.
  • Klären Sie, ob die Fassade später gedämmt wird, und legen Sie die Einbaulage danach fest.
  • Beheben Sie Vorschäden an Sturz, Brüstung und Rollladenkasten vor dem Einbau.
  • Wählen Sie die Verglasung nach Himmelsrichtung und nicht einheitlich für das ganze Haus.
  • Lassen Sie die Bauanschlussfuge in allen drei Ebenen ausführen und nicht nur ausschäumen.
  • Vereinbaren Sie Fensterbank, Laibungsdämmung und Innenanschluss schriftlich mit.
  • Lassen Sie ein Lüftungskonzept erstellen und setzen Sie dessen Ergebnis um.
  • Planen Sie Malerarbeiten und Innenanschlüsse direkt im Anschluss an die Montage.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema Fenster tauschen Sanierung

Ja, ein Austausch in Etappen ist möglich und im bewohnten Haus oft praktikabel. Achten Sie darauf, dass die verbleibenden alten Fenster dann die kältesten Bauteile sind und dort eher Kondensat entsteht. Bei einem größeren Anteil erneuerter Fenster ist zudem ein Lüftungskonzept gefordert.

Meist ist nicht das Fenster die Ursache, sondern die gestiegene Luftfeuchte in Verbindung mit kalten Oberflächen an Laibung, Außenecke oder hinter Möbeln. Prüfen Sie zuerst das Lüftungsverhalten und die Luftfeuchte. Bleibt das Problem bestehen, sind Laibungsdämmung oder eine technische Lüftung die nächsten Schritte.

Nein, Schaum übernimmt nur die dämmende Aufgabe in der mittleren Ebene. Für die Luftdichtheit innen und den Schlagregenschutz außen sind zusätzlich geeignete Bänder oder Folien nötig. Ohne diese Ebenen gelangt feuchte Raumluft in die Fuge und außen dringt Wasser ein.

Für Maßnahmen an der Gebäudehülle bestehen Programme, unter anderem über die KfW und das BAFA, meist verbunden mit Anforderungen an die Ausführung und mit der Einbindung einer Energieberatung. Bedingungen und Antragswege ändern sich regelmäßig. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben der jeweiligen Stelle, und der Antrag ist in der Regel vor Auftragsvergabe zu stellen.

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