Ratgeber

Barrierefreier Umbau im Bestand – was sich wirklich umsetzen lässt

Welche Anpassungen ein bestehendes Wohnhaus wirklich zulässt und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind.

Fachbeitrag von RaBau Komplettsanierung · Thema Umbau und Modernisierung

Ein Haus, das über Jahrzehnte gut funktioniert hat, kann sich innerhalb weniger Wochen als Hindernis erweisen. Eine Stufe an der Haustür, eine hohe Duschtasse, eine enge Wendung im Treppenhaus oder ein Bad, in dem eine Gehhilfe keinen Platz findet, entscheiden darüber, ob Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Barrierefreier Umbau im Bestand bedeutet deshalb selten den perfekten Neubaustandard, sondern eine kluge Abfolge von Anpassungen, die den Alltag spürbar erleichtern.

Dieser Beitrag zeigt, welche Maßnahmen ein bestehendes Gebäude in der Regel zulässt, wo die Bausubstanz Grenzen setzt und wie sich ein Umbau sinnvoll staffeln lässt, wenn nicht alles auf einmal möglich ist. Es geht um den Weg von der Straße bis in die Wohnung, um das Bad als wichtigsten Raum, um die Erschließung über mehrere Geschosse und um die Frage, welche Nachweise und Abstimmungen Sie vor Beginn brauchen. Die verbindlichen Maße gibt die geltende Norm für barrierefreies Bauen vor.

Was Barrierefreiheit im bewohnten Gebäude tatsächlich bedeutet

Barrierefreiheit ist kein einzelnes Bauteil, sondern eine Eigenschaft der ganzen Wegekette. Nützt der stufenlose Hauseingang nichts, wenn dahinter eine schmale Wendeltreppe folgt, ist wenig gewonnen. Sinnvoll ist deshalb, zuerst den täglichen Bewegungsablauf zu betrachten und erst danach über einzelne Baumaßnahmen zu sprechen. Im Bestand wird zudem zwischen zwei Ansprüchen unterschieden. Die eine Ebene beschreibt eine allgemein nutzbare, weitgehend hindernisfreie Wohnung. Die andere Ebene richtet sich an Menschen, die dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind, und verlangt deutlich großzügigere Verhältnisse.

Welche Ebene erreichbar ist, hängt weniger vom Willen als vom vorhandenen Raum und vom Tragwerk ab. Die zugehörige Norm für barrierefreies Bauen definiert beide Ebenen und legt die verbindlichen Maße fest. Realistisch ist daher eine Einordnung in drei Gruppen. Manche Maßnahmen sind fast immer machbar, etwa Schwellenabbau, Haltegriffe, bessere Beleuchtung und rutschhemmende Beläge. Andere sind mit Aufwand machbar, etwa der Umbau des Bades oder eine Rampe. Wieder andere scheitern häufig an der Substanz, weil ein Aufzug schlicht keinen Platz findet.

Der Weg von der Grundstücksgrenze bis in die Wohnung

Die erste Barriere liegt meist im Außenbereich. Eine unebene Pflasterfläche, ein zu steiler Weg, fehlendes Licht und schließlich eine oder mehrere Stufen vor der Haustür machen den Zugang beschwerlich. Häufig lässt sich das Gelände neu modellieren, sodass der Weg mit sanfter Neigung ansteigt und die Stufe verschwindet, ohne dass eine auffällige Rampe gebaut werden muss. Wo das Gelände keinen Spielraum bietet, kommt eine Rampe oder eine kleine Hebeanlage infrage. Beide brauchen Platz, denn eine Rampe benötigt eine flache Neigung sowie waagerechte Flächen am Anfang und am Ende.

Neigung, Länge und Beschaffenheit der Podeste sind in der geltenden Norm geregelt. Wichtig sind außerdem ein fester, rutschhemmender Belag und eine Entwässerung, damit die Fläche im Winter nutzbar bleibt. An der Haustür selbst geht es um die Schwelle, um die Kraft zum Öffnen und um die Bedienbarkeit. Eine niedrige, gut abgedichtete Anschlussschwelle, ein Türantrieb, eine gut erreichbare Klingelanlage und eine blendfreie Beleuchtung wirken zusammen.

Türen, Schwellen und Bodenbeläge im Innenbereich

Innen entscheidet vor allem die Durchgangsbreite über die Nutzbarkeit. Zu schmale Türen lassen sich oft verbreitern, wenn die Wand nicht tragend ist oder ein Sturz eingebaut wird. Hilfreich ist außerdem der Wechsel von einer Drehflügeltür zu einer Schiebetür, weil dadurch die Fläche vor der Tür frei bleibt. Die erforderlichen lichten Breiten und die notwendigen freien Flächen legt die Norm fest. Bei den Böden zählen ein durchgehendes Niveau, ein fester Belag ohne weiche Verformung und ein guter Helligkeitsunterschied zwischen Boden und Wand. Hochflorige Teppiche, lose Läufer und stark spiegelnde Oberflächen sind ungünstig.

Das Bad als wichtigster Raum der Anpassung

Kein Raum entscheidet so stark über selbstständiges Wohnen wie das Bad. Der Umbau ist dabei fast immer ein Eingriff in die Substanz, weil Abdichtung, Estrich und Leitungsführung betroffen sind. Genau deshalb lohnt es sich, das Bad nicht in kleinen Schritten zu verändern, sondern einmal gründlich, damit die neue Lösung viele Jahre trägt. Kernstück ist die bodengleiche Dusche. Sie verlangt eine ausreichend tiefe Ebene für Ablauf und Gefälle, eine sorgfältige Abdichtung im Verbund und eine belastbare Wandkonstruktion für Stützklappgriffe und Sitz.

In Holzbalkendecken ist das anspruchsvoller als in massiven Decken, oft hilft ein flacher Wandablauf oder eine Rinne an der Wand, um die Aufbauhöhe zu reduzieren. Ebenso wichtig sind Waschtisch und Sanitärobjekte. Ein unterfahrbarer Waschtisch, eine erhöhte Sitzhöhe beim Klosett, eine gut greifbare Armatur mit langem Hebel und ein kippbarer Spiegel verbessern die Nutzung erheblich. Wo möglich sollte die Tür nach außen aufschlagen, damit der Raum im Notfall zugänglich bleibt.

Tragfähige Wände und vorbereitende Montageebenen

Haltegriffe und Stützsysteme müssen erhebliche Kräfte aufnehmen. In Leichtbauwänden gelingt das nur mit eingebauten Traversen oder mit durchgehenden Montageplatten, die vor dem Fliesen eingebaut werden. In Massivwänden ist der Untergrund meist tragfähig, dennoch ist auf Hohllagen und alte Schlitze zu achten. Sinnvoll ist es, diese Verstärkungen auch dort einzubauen, wo aktuell noch kein Griff geplant ist. Gleiches gilt für Leerrohre, die eine spätere Nachrüstung von Licht, Notruf oder Antrieben ohne Stemmarbeiten ermöglichen.

Erschließung über mehrere Geschosse

Sobald mehrere Ebenen erschlossen werden müssen, steigt der Aufwand deutlich. Die einfachste Lösung ist häufig gar kein technisches Gerät, sondern eine veränderte Raumnutzung. Wenn Schlafen, Bad und Küche in das Erdgeschoss verlegt werden können, entfällt die Notwendigkeit, die Treppe täglich zu bewältigen. Ist die Treppe unverzichtbar, kommen Treppenlifte in Betracht. Ein gerader Lauf ist unkompliziert, gewendelte Läufe verlangen eine maßgefertigte Schiene.

Wichtig ist, dass die verbleibende Laufbreite für andere Bewohner und für die Rettungswege ausreichend bleibt, was in engen Altbautreppenhäusern eine echte Hürde sein kann. Ein Plattformlift für einen Rollstuhl braucht noch deutlich mehr Raum. Ein Aufzug ist die dauerhafteste, aber auch anspruchsvollste Lösung. Er benötigt einen Schacht mit tragfähigem Fundament, eine Anbindung an jedes Geschoss und einen Ort, der bauordnungsrechtlich zulässig ist. In vielen Bestandsgebäuden ist ein Anbau an der Außenwand realistischer als ein Einbau im Inneren, dann sind Abstandsflächen und Gestaltung mit der Behörde abzustimmen.

Brandschutz und Rettungswege nicht übersehen

Jede Veränderung im Treppenhaus berührt den Rettungsweg. Ein Lift darf die notwendige Laufbreite nicht unzulässig einengen, und eingebrachte Materialien müssen den Anforderungen an das Brandverhalten genügen. Bei einem Aufzugsanbau kommen Anforderungen an Schacht und Türen hinzu. Diese Punkte klären Sie am besten früh mit der Bauaufsicht und mit einer planenden Fachperson.

Planung, Förderung und sinnvolle Reihenfolge

Ein barrierefreier Umbau gelingt am besten mit einem Gesamtkonzept, das in Stufen umgesetzt wird. Dafür wird zuerst festgehalten, welche Einschränkungen heute bestehen und welche absehbar hinzukommen. Daraus entsteht eine Prioritätenliste, die mit den Maßnahmen beginnt, die den Alltag sofort verbessern, und die spätere Schritte baulich vorbereitet, ohne sie schon auszuführen. Für Wohnungen im Eigentum einer Gemeinschaft und für Mietwohnungen gelten zusätzliche Regeln.

Eingriffe in gemeinschaftliche Bauteile wie Treppenhaus, Fassade oder tragende Wände brauchen einen Beschluss beziehungsweise die Zustimmung des Eigentümers. Für Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren bestehen Förderprogramme, unter anderem bei der KfW, außerdem gibt es Zuschüsse der Pflegekassen für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Bedingungen, Antragswege und Fristen ändern sich immer wieder, weshalb die aktuellen Angaben der jeweiligen Stelle maßgeblich sind. Meist muss der Antrag vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.

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Checkliste für den barrierefreien Umbau

  • Beschreiben Sie zuerst die täglichen Wege im Haus und die konkreten Hindernisse darauf.
  • Prüfen Sie, ob eine veränderte Raumnutzung im Erdgeschoss die einfachste Lösung ist.
  • Lassen Sie die verbindlichen Maße nach der geltenden Norm von einer Fachperson prüfen.
  • Klären Sie beim Bad die Aufbauhöhe und die Tragfähigkeit der Wände vor der Planung.
  • Bauen Sie Verstärkungen und Leerrohre für spätere Nachrüstungen gleich mit ein.
  • Stimmen Sie Eingriffe in Treppenhaus und Fassade rechtzeitig mit Gemeinschaft und Behörde ab.
  • Stellen Sie Förderanträge, bevor die Arbeiten beginnen.
  • Legen Sie eine Reihenfolge fest, die spätere Schritte nicht wieder aufreißt.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema barrierefreier Umbau

Vollständige Barrierefreiheit nach Neubaustandard ist im Altbau selten erreichbar, weil Raumzuschnitt und Tragwerk feste Grenzen setzen. Sehr viel erreichbar ist dagegen ein weitgehend hindernisfreier Alltag durch Schwellenabbau, ein angepasstes Bad und bessere Beleuchtung. Entscheidend ist eine ehrliche Bestandsaufnahme vor der Planung.

In den meisten Haushalten ist der Umbau des Bades die wirksamste einzelne Maßnahme, weil er selbstständige Körperpflege wieder ermöglicht. Direkt danach folgt der stufenlose Zugang zum Haus. Erst wenn beides gesichert ist, lohnt sich die Diskussion über Lift oder Aufzug.

Maßnahmen im Inneren ohne Eingriff in tragende Bauteile sind meist verfahrensfrei. Sobald Wände geöffnet, Rampen errichtet oder Anbauten wie ein Aufzugsschacht geplant werden, ist die Bauaufsicht zu beteiligen. Bei geschützter Bausubstanz kommt die Denkmalbehörde hinzu.

Ja, das ist sogar der Regelfall. Wichtig ist ein Gesamtkonzept, damit ein früher Schritt einen späteren nicht blockiert. Wer beim ersten Umbau bereits Verstärkungen und Leerrohre einbaut, spart bei jeder Nachrüstung Aufwand und Schmutz.

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