Ratgeber

Fassadenanstrich – Untergrund prüfen und richtig vorbereiten

Mit einfachen Proben erkennen Sie, ob Ihre Fassade den neuen Anstrich überhaupt tragen kann.

Fachbeitrag von RaBau Komplettsanierung · Thema Fassadensanierung

Ein Fassadenanstrich hält nur so lange, wie der Untergrund ihn trägt. Trotzdem wird gerade dieser Teil der Arbeit häufig verkürzt, weil er auf dem fertigen Ergebnis nicht zu sehen ist. Die Folgen zeigen sich erst später in Form abblätternder Flächen, kreidender Oberflächen oder eines Anstrichs, der sich flächig von der Wand löst. Der neue Farbaufbau kann dabei fachlich einwandfrei sein und trotzdem versagen.

Dieser Beitrag erklärt, wie Sie den vorhandenen Untergrund mit einfachen Mitteln beurteilen, welche Vorbehandlung sich aus welchem Befund ergibt und wie Grundierung und Beschichtungssystem zusammenpassen müssen. Ergänzend geht es um Witterungsbedingungen und um die Reihenfolge der Arbeitsschritte, weil beides über die Lebensdauer mitentscheidet. Danach können Sie ein Angebot fachlich einordnen und erkennen, ob die Vorbereitung angemessen eingeplant wurde.

Warum der Untergrund über die Haltbarkeit entscheidet

Eine Fassadenfarbe haftet nicht durch Klebkraft allein, sondern durch das Zusammenspiel aus mechanischer Verankerung in der Oberfläche und chemischer Bindung an das Bindemittel des Untergrunds. Ist die oberste Schicht mürbe, staubig oder bereits vom Trägermaterial gelöst, verankert sich die neue Beschichtung lediglich in dieser schwachen Zwischenlage. Der Anstrich trägt dann nicht die Wand, sondern die Schwachstelle darunter, und genau dort reißt der Verbund später ab.

Hinzu kommt die Spannung, die jede trocknende Beschichtung entwickelt. Sie zieht sich beim Aushärten leicht zusammen und übt dabei Zug auf die Unterlage aus. Ein fester Untergrund hält dem stand, ein sandender wird regelrecht abgezogen. Deshalb entscheidet die Vorbereitung nicht nur über die Optik der ersten Jahre, sondern über den gesamten Erneuerungszyklus der Fassade.

Für Eigentümer bedeutet das eine einfache Regel. Der Aufwand für die Untergrundvorbereitung ist keine Position, an der sich sparen lässt, ohne den Nutzen der gesamten Maßnahme infrage zu stellen. Wer hier gründlich arbeitet, verlängert die Standzeit der Beschichtung erheblich.

Den Bestand mit einfachen Vorortproben beurteilen

Bevor über Farbe gesprochen wird, muss klar sein, was sich auf der Wand befindet. Historische Fassaden tragen oft mineralische Kalk oder Zementputze mit entsprechenden Anstrichen, während Bauten der jüngeren Jahrzehnte häufig Kunstharzbeschichtungen aufweisen. Diese Systeme vertragen sich nicht beliebig miteinander. Ein Hinweis liefert bereits das Alter des Gebäudes, sicher ist die Einordnung aber erst nach einer Prüfung an mehreren Stellen der Fassade.

Untersuchen Sie dabei bewusst unterschiedliche Bereiche. Die wetterabgewandte Seite sieht meist besser aus als die schlagregenbelastete, der Sockel zeigt andere Schäden als die Fläche unter dem Dachüberstand, und Bereiche neben Regenrohren oder unter Fensterbänken sind fast immer stärker beansprucht. Eine Beurteilung an nur einer Stelle führt regelmäßig zu einer falschen Einschätzung des Gesamtzustands.

Wischprobe, Kratzprobe und Benetzungsprobe

Für die Wischprobe fahren Sie mit der flachen Hand oder einem dunklen Tuch über die trockene Fläche. Bleibt deutlich Pigment zurück, kreidet die Beschichtung und muss vor dem Neuaufbau verfestigt oder entfernt werden. Bei der Kratzprobe ziehen Sie mit einem harten Gegenstand über die Oberfläche. Löst sich der Putz körnig heraus, ist er sandend und nicht mehr tragfähig.

Die Benetzungsprobe zeigt das Saugverhalten. Spritzen Sie Wasser auf die Wand und beobachten Sie, ob es sofort einzieht, langsam aufgenommen wird oder als Tropfen abperlt. Starkes Saugen verlangt eine Grundierung, abperlendes Wasser deutet auf eine dichte Altbeschichtung hin, die einen darauf abgestimmten Aufbau erfordert. Ergänzend klopfen Sie die Fläche mit einem Holzstiel ab, denn ein hohler Klang verrät abgelöste Putzbereiche.

Reinigen, ausbessern und grundieren in der richtigen Reihenfolge

Die Vorbereitung beginnt mit der Reinigung. Lose Beschichtungsteile, Staub, Ausblühungen und biologischer Bewuchs müssen vollständig herunter, sonst arbeitet der neue Anstrich auf einer Trennschicht. Je nach Zustand geschieht das mechanisch durch Bürsten und Abkehren oder mit einem druckgeregelten Wasserstrahl. Wichtig ist, den Druck an den Zustand des Putzes anzupassen, weil ein zu harter Strahl weiche Oberflächen zusätzlich aufreißt.

Danach folgen die Ausbesserungen. Hohlliegende Bereiche werden abgeschlagen und mit einem Mörtel geschlossen, der zum vorhandenen Putz passt. Ein deutlich härterer Reparaturmörtel auf einem weichen Altputz erzeugt neue Spannungen und damit neue Schäden. Alle Ausbesserungen brauchen ausreichend Zeit zum Aushärten und Austrocknen, bevor die Beschichtung aufgebracht wird.

Grundierung für saugende und sandende Flächen

Ein Tiefengrund verfestigt sandende Oberflächen, indem er in die offenen Poren eindringt und das lockere Gefüge wieder bindet. Auf stark und ungleichmäßig saugenden Flächen sorgt eine Grundierung außerdem dafür, dass die spätere Beschichtung überall gleich schnell trocknet und damit ein einheitliches Bild ergibt. Ohne diesen Ausgleich entstehen fleckige Ansichten, die sich später nur durch einen weiteren Anstrich beheben lassen.

Auf dichten Altbeschichtungen wirkt ein Tiefengrund dagegen kaum, hier ist eine haftvermittelnde Zwischenschicht die passendere Wahl. Die Grundierung ist also kein Standardschritt, sondern eine Entscheidung, die aus dem Prüfergebnis folgt. Sie sollte im Angebot benannt sein und nicht pauschal mitlaufen.

Farbsysteme und ihre Anforderungen an die Wand

Silikatfarben verkieseln mit mineralischen Untergründen und gehen dadurch eine besonders feste Verbindung ein. Sie sind sehr diffusionsoffen, verlangen aber einen mineralischen, tragfähigen Untergrund und lassen sich nicht auf jede Altbeschichtung setzen. Silikonharzfarben verbinden eine gute Wasserabweisung mit hoher Wasserdampfdurchlässigkeit und sind dadurch auf vielen Bestandsfassaden eine robuste Wahl. Reine Dispersionsfarben sind unempfindlich in der Verarbeitung, bilden jedoch einen vergleichsweise dichten Film.

Die Systemwahl folgt damit dem Untergrund und nicht umgekehrt. Wer eine mineralische Fassade mit einem dichten Film überzieht, staut Feuchtigkeit im Putz und riskiert Abplatzungen bei Frost. Wer umgekehrt eine dichte Altbeschichtung mit einem streng mineralischen System überarbeitet, erhält Haftungsprobleme. Beide Fehler sind mit einer sorgfältigen Bestandsprüfung vermeidbar.

Wasseraufnahme und Diffusion im Gleichgewicht halten

Eine gute Fassadenbeschichtung hält flüssiges Wasser von außen ab und lässt Wasserdampf von innen entweichen. Diese beiden Eigenschaften stehen in einem Spannungsverhältnis, weil sehr dichte Filme zwar Regen abweisen, aber auch die Austrocknung blockieren. Gesucht ist deshalb ein System, das beide Werte in einem ausgewogenen Verhältnis abbildet.

Praktisch heißt das, den Aufbau an der Belastung auszurichten. Eine ungeschützte Wetterseite ohne Dachüberstand braucht mehr Schlagregenschutz, eine feuchtebelastete Nordwand mehr Trocknungsreserve. Auch die Farbtonwahl gehört dazu, denn sehr dunkle Töne heizen sich stärker auf und erhöhen die Spannungen im Aufbau.

Witterung und Zeitplanung der Ausführung

Beschichtungen brauchen zum Aushärten Temperaturen oberhalb eines Mindestwerts und eine ausreichend niedrige Luftfeuchtigkeit. Wird bei zu kühler Witterung oder auf feuchter Wand gearbeitet, bildet sich kein durchgehender Film, und der Anstrich verliert einen Teil seiner Schutzwirkung. Ebenso ungünstig ist praller Sonnenschein auf der Arbeitsfläche, weil die Oberfläche antrocknet, bevor sie sich verbinden kann.

Sinnvoll ist deshalb eine Ausführung in den milderen Übergangszeiten oder ein schattenfolgendes Arbeiten über den Tag. Bedenken Sie außerdem die Trockenzeiten zwischen den Arbeitsgängen. Ausbesserungen, Grundierung, Zwischen und Schlussbeschichtung brauchen jeweils eigene Zeitfenster, die sich nicht ohne Qualitätsverlust zusammenziehen lassen.

Weil an derselben Fassade oft mehrere Gewerke beteiligt sind, lohnt eine gemeinsame Planung mit Spengler, Elektro und Gerüstbau. Eine Fassadensanierung, die Prüfung, Ausbesserung und Beschichtung in einem abgestimmten Ablauf zusammenführt, vermeidet Wartezeiten und doppelte Rüstkosten. Eine kostenlose und unverbindliche Erstberatung mit anschließender Besichtigung klärt den tatsächlichen Umfang.

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Prüfschritte vor dem neuen Anstrich

  • Bestimmen Sie an mehreren Stellen, welches Beschichtungssystem bereits vorhanden ist.
  • Führen Sie Wischprobe, Kratzprobe und Benetzungsprobe an unterschiedlichen Wandseiten durch.
  • Klopfen Sie die Fläche ab und markieren Sie alle hohl klingenden Bereiche.
  • Entfernen Sie lose Beschichtungen, Staub, Ausblühungen und biologischen Bewuchs vollständig.
  • Passen Sie den Reparaturmörtel in Festigkeit und Aufbau an den vorhandenen Putz an.
  • Wählen Sie die Grundierung nach dem Prüfergebnis und nicht nach Gewohnheit.
  • Stimmen Sie das Farbsystem auf Untergrund und Wetterbelastung der jeweiligen Seite ab.
  • Planen Sie ausreichende Trockenzeiten zwischen den einzelnen Arbeitsgängen ein.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema Fassadenanstrich Untergrund

Wischen Sie mit der trockenen Hand über die Fläche. Bleibt ein deutlicher Farbstaub auf der Haut zurück, hat das Bindemittel der Beschichtung durch Bewitterung nachgelassen. Eine solche Fläche muss vor dem neuen Anstrich gereinigt und je nach Zustand verfestigt werden.

Nein. Eine fest haftende, tragfähige Altbeschichtung kann als Untergrund dienen, wenn das neue System dazu passt. Entfernt werden müssen nur lose, blätternde oder stark kreidende Bereiche sowie Beschichtungen, die mit dem gewählten Aufbau nicht verträglich sind.

Frisch aufgebrachter Mörtel muss vollständig abbinden und austrocknen, bevor er beschichtet wird. Die nötige Zeit hängt von Schichtdicke, Material und Witterung ab und ist im Herbst deutlich länger als im Sommer. Eine Beschichtung auf noch feuchtem Untergrund führt zu Ausblühungen und schlechter Haftung.

Auf mineralischen, tragfähigen Untergründen sind Silikatfarben besonders geeignet, weil sie sich fest mit dem Putz verbinden und sehr diffusionsoffen bleiben. Silikonharzfarben sind eine robuste Alternative mit gutem Schlagregenschutz. Entscheidend bleibt in jedem Fall die vorherige Prüfung des Bestands.

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