Ratgeber

Altbausanierung und typische Schwachstellen am Bestand erkennen

Woran Sie die typischen Schwachstellen eines Altbaus erkennen, bevor Sie über Umfang und Aufwand der Sanierung entscheiden.

Fachbeitrag von RaBau Komplettsanierung · Thema Komplettsanierung

Ein Altbau wirkt bei der Besichtigung häufig solider, als er ist. Massive Wände, hohe Räume und gut erhaltene Oberflächen erzeugen einen Eindruck von Stabilität, während die eigentlichen Probleme in Bauteilen stecken, die niemand sieht. Genau deshalb weichen bei Bestandsgebäuden die erste Einschätzung und der spätere tatsächliche Aufwand so oft voneinander ab. Wer die typischen Schwachpunkte kennt, kann gezielt nachsehen, statt sich überraschen zu lassen.

Dieser Beitrag beschreibt die Stellen, an denen ältere Gebäude erfahrungsgemäß Schäden entwickeln, und erklärt, welche sichtbaren Anzeichen auf welche Ursache hindeuten. Er zeigt außerdem, welche Befunde sich mit einfachen Mitteln selbst prüfen lassen und wo eine fachliche Untersuchung nötig wird. Ziel ist, dass Sie ein Objekt schon vor der Entscheidung über den Umfang einer Sanierung realistisch einordnen und die richtigen Fragen stellen können.

Warum ein Bestandsgebäude seine Schwächen selten offen zeigt

Alte Häuser sind über Jahrzehnte mehrfach verändert worden. Auf einen ursprünglichen Aufbau folgten Anstriche, Verkleidungen, nachträgliche Dämmungen und Bodenbeläge, die jeweils Spuren des darunterliegenden Zustands verdecken. Ein frisch gestrichener Sockel sagt deshalb nichts über die Feuchte im Mauerwerk aus, und eine verkleidete Decke verbirgt möglicherweise genau die Balkenlage, die geprüft werden müsste. Sichtbare Oberflächen sind bei der Beurteilung eines Altbaus die unzuverlässigste Informationsquelle.

Hinzu kommt, dass viele Schäden über lange Zeiträume entstehen und sich an einer ganz anderen Stelle zeigen, als sie verursacht werden. Eine undichte Anschlussstelle am Dach kann sich als Fleck an einer Innenwand im darunterliegenden Geschoss bemerkbar machen. Ein defekter Ablauf im Außenbereich führt zu Feuchte in einem Kellerraum an der gegenüberliegenden Hausseite. Für eine belastbare Einschätzung ist deshalb immer die Frage nach dem Weg des Wassers oder der Last entscheidend, nicht der Ort des Symptoms.

Feuchte im Sockel und im Untergeschoss richtig deuten

Feuchte ist die häufigste und folgenreichste Schwachstelle im Altbau. Ältere Gebäude wurden vielfach ohne durchgehende waagerechte Sperrschicht errichtet, sodass Wasser aus dem Erdreich im Mauerwerk aufsteigen kann. Ebenso häufig fehlt eine Abdichtung der erdberührten Außenwand. Beides führt dazu, dass die unteren Wandbereiche dauerhaft feucht bleiben, einen Teil ihrer Dämmwirkung verlieren und nach und nach Putz sowie Anstrich zerstören. Der Schaden schreitet dabei langsam, aber ohne Unterbrechung voran.

Wichtig ist die Unterscheidung der Ursachen, denn sie führen zu völlig verschiedenen Maßnahmen. Aufsteigende Feuchte zeigt sich als gleichmäßiges Band oberhalb des Bodens. Seitlich eindringendes Wasser erzeugt dagegen unregelmäßige, oft flächige Feuchtebilder. Kondensat wiederum tritt bevorzugt an kalten Oberflächen in warmen, schlecht gelüfteten Räumen auf und verschwindet in der wärmeren Jahreszeit. Bevor über eine Trockenlegung entschieden wird, muss diese Zuordnung eindeutig sein.

Prüfen Sie außerdem das Gelände rund um das Gebäude. Ein Boden, der zum Haus hin fällt, defekte Regenrinnen, fehlende Traufstreifen oder dicht an der Wand stehende Beete belasten den Sockel dauerhaft. Solche Ursachen lassen sich vergleichsweise einfach beheben und sollten immer zuerst abgestellt werden, bevor aufwendige Eingriffe in das Mauerwerk geplant werden. Häufig sinkt die Feuchtebelastung danach so deutlich, dass sich der weitere Bedarf neu bewerten lässt.

Salzausblühungen und abplatzender Putz als Hinweis

Weiße, pelzige oder kristalline Beläge auf dem Putz sind ein deutliches Zeichen für eine länger andauernde Feuchtebelastung. Das Wasser transportiert im Mauerwerk gelöste Salze an die Oberfläche, wo es verdunstet und die Salze zurücklässt. Diese Salze nehmen Feuchte aus der Raumluft auf und vergrößern beim Auskristallisieren ihr Volumen, was Putz und Anstrich absprengt. Ein einfacher neuer Anstrich hilft an solchen Stellen nicht, weil er das Problem nur überdeckt. Notwendig ist die Beseitigung der Feuchtequelle und anschließend ein Putzsystem, das mit der vorhandenen Salzbelastung umgehen kann.

Holzbauteile und ihre kritischen Anschlusspunkte

In vielen älteren Gebäuden bestehen Decken und Dachtragwerke aus Holz. Holz ist ein dauerhafter Baustoff, solange es trocken bleibt und Feuchte wieder abgeben kann. Gefährdet sind deshalb nicht die freiliegenden Bereiche, sondern die Stellen, an denen Holz in andere Bauteile eingebunden ist oder von dichten Schichten umschlossen wird. Dort kann eingedrungene Feuchte nicht abtrocknen, und der Abbau des Materials beginnt unbemerkt.

Achten Sie auf weiche Stellen im Boden, auf federnde Dielen, auf Verformungen der Decke und auf Türen, die im Laufe der Zeit klemmen. Auch feines Bohrmehl unterhalb von Balken, kleine runde Ausfluglöcher und ein muffiger Geruch in geschlossenen Räumen sind ernst zu nehmende Hinweise. Solche Beobachtungen begründen keine Diagnose, aber sie zeigen, wo geöffnet und genauer untersucht werden sollte.

Balkenköpfe in der Außenwand prüfen

Die Auflagerpunkte von Deckenbalken in der Außenwand gelten als klassische Schwachstelle des Altbaus. Sie liegen im kältesten und feuchtesten Bereich der Konstruktion und sind gleichzeitig vollständig verdeckt. Wird die Außenwand später innen gedämmt, verschiebt sich die Temperatur an dieser Stelle weiter nach unten, und die Gefahr von Kondensat steigt. Vor einer Innendämmung gehört deshalb jeder Balkenkopf begutachtet und, falls nötig, ertüchtigt oder freigelegt. Diese Prüfung ist aufwendig, doch ein später entdeckter Schaden am Auflager betrifft die Tragfähigkeit der gesamten Decke und ist im fertigen Ausbau nur mit erheblichem Aufwand zu beheben.

Wärmebrücken und Undichtigkeiten in der Gebäudehülle

Wärmebrücken entstehen dort, wo Bauteile die dämmende Schicht durchdringen oder wo die Geometrie eine besonders große Außenfläche erzeugt. Typische Stellen im Altbau sind auskragende Balkonplatten, Fensterstürze, Rollladenkästen, Fensterlaibungen sowie die Anschlüsse zwischen Wand und Decke. An diesen Punkten sinkt die Oberflächentemperatur im Innenraum spürbar ab, und genau dort setzt sich Feuchte aus der Raumluft zuerst nieder. Neben dem Wärmeverlust entsteht damit ein bauphysikalisches Risiko.

Undichtigkeiten sind davon zu unterscheiden. Sie führen zu einer unkontrollierten Luftströmung durch die Konstruktion, meist an Anschlüssen von Fenstern, an Durchführungen von Leitungen und an Übergängen zwischen unterschiedlichen Bauteilen. Anders als eine Wärmebrücke transportiert eine undichte Stelle Feuchte tief in den Aufbau hinein, wo sie an einer kalten Schicht abgegeben wird. Deshalb ist bei jeder Verbesserung der Hülle die Frage nach einer durchgehenden Luftdichtheitsebene ebenso wichtig wie die Dämmstärke.

Schimmel in Raumecken als Symptom lesen

Dunkle Flecken in Zimmerecken, hinter Schränken oder an Fensterlaibungen sind fast immer die Folge einer zu kalten Oberfläche und nicht eines Lüftungsfehlers allein. Prüfen Sie, ob die betroffenen Stellen an Außenbauteilen liegen und ob dort Möbel den Luftaustausch behindern. Ein Umstellen der Einrichtung und ein angepasstes Lüftungsverhalten können die Lage kurzfristig verbessern, beseitigen aber die bauliche Ursache nicht. Dauerhaft hilft nur die Anhebung der Oberflächentemperatur durch eine fachgerechte Dämmung dieses Bereichs, die im Bestand sorgfältig geplant werden muss.

Veraltete Haustechnik und Schadstoffe im Bestand

Neben der Bausubstanz bestimmen die technischen Anlagen den Aufwand einer Altbausanierung erheblich. Alte Elektroinstallationen entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Anforderungen an Leitungsquerschnitte, Schutzeinrichtungen und Anzahl der Stromkreise. Ähnliches gilt für Wasser- und Abwasserleitungen aus überalterten Materialien sowie für Heizungsverteilungen, die für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt wurden. Diese Anlagen lassen sich selten sinnvoll in Teilen erneuern, weil jede Teilmaßnahme erneut Wände öffnet.

Ein zweiter Punkt betrifft Schadstoffe. In älteren Bauteilen können Materialien enthalten sein, die heute besondere Anforderungen an Ausbau und Entsorgung stellen. Betroffen sind vor allem alte Dämmstoffe, Kleber unter Bodenbelägen, bestimmte Beschichtungen und Bauteile im Bereich von Feuerstätten. Vor jedem Abbruch sollte deshalb eine Bewertung erfolgen, denn ein Fund während der laufenden Arbeiten stoppt die Baustelle und verändert Ablauf und Kosten spürbar. Bei RaBau Komplettsanierung beginnt der Ablauf mit einer kostenlosen Erstberatung und einer Besichtigung, bei der solche Fragen früh angesprochen werden können.

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Kurzcheck für die Beurteilung eines Altbaus

  • Das Gelände fällt vom Gebäude weg und Regenwasser wird sicher abgeleitet.
  • Der Sockelbereich zeigt keine Ausblühungen, Abplatzungen oder dauerhaft feuchten Bänder.
  • Die Ursache jeder Feuchtestelle ist eindeutig zugeordnet, bevor Maßnahmen geplant werden.
  • Holzdecken wurden an mindestens einer Stelle geöffnet und die Auflager begutachtet.
  • Bekannte Wärmebrücken sind erfasst und bei der Planung der Dämmung berücksichtigt.
  • Der Zustand von Elektro-, Wasser- und Heizungsverteilung ist fachlich bewertet.
  • Eine Schadstoffbewertung liegt vor, bevor der erste Rückbau beginnt.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema Altbausanierung Schwachstellen

Nur eingeschränkt. Oberflächen und Raumklima geben erste Hinweise, doch die entscheidenden Bauteile liegen verdeckt. Für eine belastbare Aussage sind gezielte Öffnungen an wenigen unauffälligen Stellen nötig, die sich anschließend leicht wieder verschließen lassen.

Sie ist anspruchsvoll, aber nicht ausgeschlossen. Kritisch sind die Anschlusspunkte, insbesondere einbindende Decken und Innenwände, weil dort die Temperatur der Konstruktion absinkt. Eine Innendämmung sollte deshalb als abgestimmtes System geplant und nicht aus einzelnen Produkten zusammengestellt werden.

Feine Risse im Putz sind häufig harmlos und folgen dem Trocknungsverhalten des Materials. Aufmerksamkeit verdienen Risse, die durch Bauteile hindurchlaufen, sich stufenförmig durch das Mauerwerk ziehen oder deren Breite sich verändert. Beobachten Sie solche Stellen über einen längeren Zeitraum und lassen Sie sie fachlich bewerten.

Nicht zwingend, doch eine Erneuerung in Etappen ist im Altbau oft unwirtschaftlich. Da jede Leitungsarbeit Wände und Böden öffnet, entstehen bei mehrfachem Vorgehen dieselben Nebenkosten immer wieder. Wenn ohnehin größere Bereiche saniert werden, spricht vieles für einen vollständigen Austausch in einem Zug.

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