Ratgeber
Schadstoffe vor dem Rückbau erkennen und fachgerecht behandeln
Woran Sie belastete Baustoffe im Bestand erkennen und wie eine Erkundung den gesamten Rückbau planbar macht.
Wer ein älteres Gebäude umbaut oder zurückbaut, arbeitet mit Materialien, die zur Zeit ihres Einbaus als fortschrittlich galten und heute als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Sie stecken in Klebern, Putzen, Dichtungen, Anstrichen, Dämmungen und in Bauteilen, die man ihnen von außen nicht ansieht. Wird das übersehen, verteilen sich Fasern und Stäube beim Ausbau im gesamten Gebäude und die Beseitigung wird ungleich aufwendiger, als sie es bei rechtzeitiger Kenntnis gewesen wäre.
Dieser Beitrag ordnet ein, welche Belastungen im Bestand typisch sind, wie eine fachgerechte Erkundung aufgebaut ist und welche Schutzvorkehrungen die eigentlichen Arbeiten begleiten. Er erklärt außerdem, warum die Dokumentation am Ende genauso wichtig ist wie die Vorsicht am Anfang, und was Sie als Eigentümer sinnvoll vorbereiten können, bevor der erste Betrieb das Haus betritt.
Warum Schadstoffe den gesamten Rückbau bestimmen
Eine Belastung verändert nicht einen einzelnen Arbeitsschritt, sondern die ganze Baustelle. Sie entscheidet über die Reihenfolge der Gewerke, über die eingesetzten Werkzeuge, über die Abschottung von Bereichen, über die Schutzausrüstung der Beschäftigten und über den Weg, den das ausgebaute Material bis zur Entsorgungsanlage nimmt. Wer sie erst entdeckt, wenn die Arbeiten bereits laufen, muss die Baustelle anhalten, den betroffenen Bereich sichern und die Planung von vorn aufsetzen.
Hinzu kommt eine wirtschaftliche Seite. Belastetes Material darf nicht mit dem übrigen Bauschutt vermischt werden. Geschieht das dennoch, gilt im Zweifel die gesamte Menge als belastet und muss entsprechend behandelt werden. Aus einem überschaubaren Sonderposten wird so ein erheblicher Kostenblock, der sich mit einer frühzeitigen Untersuchung meist hätte begrenzen lassen. Zugleich geht es um Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und gegenüber der Umgebung, die von den Arbeiten nichts abbekommen soll.
Typische Belastungen in älteren Gebäuden
Faserhaltige Baustoffe wurden lange dort eingesetzt, wo Brandschutz, Hitzebeständigkeit oder Formstabilität gefragt waren. Sie finden sich in Dach- und Fassadenplatten, in Rohrummantelungen, in Dichtschnüren an Heizungsanlagen, in Bodenbelägen und in den Klebern darunter. Gefährlich werden sie vor allem dann, wenn das Material bearbeitet, gebrochen oder geschliffen wird und dabei feine Fasern frei werden, die sich über die Raumluft im Gebäude verteilen und lange in der Schwebe bleiben.
Daneben stehen chemische Belastungen. Holzschutzmittel wurden großflächig auf Dachtragwerke und Balkenlagen aufgebracht und halten sich über Jahrzehnte im Holz. Alte Klebstoffe und Abdichtungen können teerhaltige Bestandteile enthalten, in Fugenmassen, Anstrichen und Beschichtungen wurden Weichmacher und Schwermetalle verwendet. Ein zweiter Blick lohnt sich bei Bauteilen, die niemand vermutet. Unter mehreren Lagen Bodenbelag liegt oft ein alter Aufbau, hinter Verkleidungen verbergen sich Dämmschichten unbekannter Herkunft.
Das Baualter als erster Anhaltspunkt
Das Alter eines Gebäudes und der Zeitpunkt seiner Umbauten sagen viel darüber aus, womit zu rechnen ist. Häuser aus der Nachkriegszeit und aus den folgenden Jahrzehnten sind besonders häufig betroffen, weil damals viele der später verbotenen Stoffe zum Standard gehörten. Aber auch ein jüngeres Gebäude kann belastete Bauteile enthalten, wenn Restbestände verarbeitet oder ältere Bauteile wiederverwendet wurden. Das Baujahr ersetzt deshalb keine Untersuchung, es lenkt lediglich den Verdacht auf bestimmte Bereiche.
Erkundung durch Probenahme und Laboranalyse
Eine Erkundung beginnt mit einer systematischen Begehung. Fachleute nehmen den Aufbau des Gebäudes auf, werten vorhandene Unterlagen aus, befragen die Eigentümerseite zu früheren Umbauten und legen fest, an welchen Stellen Proben genommen werden. Die Probenahme selbst erfolgt gezielt und möglichst schonend, damit nicht schon die Untersuchung Fasern freisetzt. Anschließend werden die Proben im Labor untersucht, denn erst das Ergebnis erlaubt eine belastbare Aussage über Art und Umfang der Belastung.
Eine Sichtprüfung allein reicht nicht aus, weil sich viele belastete und unbelastete Baustoffe optisch kaum unterscheiden lassen. Vermutungen führen entweder zu unnötigem Aufwand oder zu gefährlicher Sorglosigkeit. Wichtig ist außerdem der zeitliche Vorlauf, denn eine Erkundung braucht Zeit für Begehung, Analyse und Auswertung. Wer sie erst kurz vor Baubeginn beauftragt, verschiebt entweder den Start oder arbeitet ohne Ergebnis. Sinnvoll ist sie schon in der Phase, in der über den Umfang des Vorhabens entschieden wird.
Das Schadstoffkataster als Grundlage der Ausschreibung
Aus den Befunden entsteht eine geordnete Übersicht, die für jedes betroffene Bauteil den Ort, die Art der Belastung, die ungefähre Menge und den empfohlenen Umgang festhält. Diese Übersicht ist mehr als eine Dokumentation. Sie ist die Grundlage dafür, dass Betriebe vergleichbare Angebote abgeben können, weil alle vom gleichen Umfang ausgehen. Ohne sie kalkuliert jeder Bieter seine eigenen Annahmen, und spätere Nachträge sind bereits im Angebot angelegt.
Schutzmaßnahmen während der Sanierungsarbeiten
Belastete Bauteile werden vor dem übrigen Rückbau entfernt. Diese Vorabmaßnahme sorgt dafür, dass alle späteren Arbeiten in einem unbelasteten Gebäude stattfinden können. Ausgeführt wird sie von Betrieben, deren Beschäftigte für diese Tätigkeiten geschult und ausgerüstet sind, und nach einem Arbeitsplan, der Verfahren, Abschottung, Schutzausrüstung und Entsorgungsweg im Voraus festlegt. Dieser Plan wird vor Beginn abgestimmt und nicht während der laufenden Arbeiten improvisiert.
Die Verfahren sind darauf ausgelegt, möglichst wenig Material aufzuwirbeln. Bauteile werden im Ganzen ausgebaut statt zerkleinert, Oberflächen werden vorher gebunden oder befeuchtet, es kommen Werkzeuge mit direkter Absaugung zum Einsatz. Trockenes Schleifen, Bürsten oder Brechen ist im belasteten Bereich ausgeschlossen. Auch die Umgebung wird geschützt, indem Öffnungen geschlossen, Lüftungsanlagen abgeschaltet, Zugänge kontrolliert und Nachbarn über Art und Dauer der Arbeiten informiert werden.
Abgeschottete Bereiche und Unterdruckhaltung
Bei anspruchsvollen Arbeiten wird der betroffene Bereich vollständig vom übrigen Gebäude getrennt. Ein Zugang mit mehreren hintereinander liegenden Kammern trennt den sauberen vom belasteten Teil, dort wechseln die Beschäftigten die Kleidung und reinigen sich, bevor sie den Bereich verlassen. Geräte halten im Inneren einen leichten Unterdruck aufrecht, sodass Luft nur nach innen strömt und ausschließlich gefilterte Luft nach außen gelangt. So bleibt die Belastung dort, wo sie entsteht.
Entsorgungsnachweise und Dokumentation nach den Arbeiten
Belastetes Material verlässt die Baustelle auf einem eigenen Weg. Es wird staubdicht verpackt, gekennzeichnet, getrennt gelagert und an eine dafür zugelassene Anlage übergeben. Über den Verbleib entstehen Nachweise, die den Weg vom Gebäude bis zur Annahme lückenlos abbilden. Lassen Sie sich diese Unterlagen aushändigen, auch wenn niemand sie in diesem Moment von Ihnen verlangt, und prüfen Sie, ob die genannten Mengen zum tatsächlichen Umfang der Arbeiten passen.
Die Dokumentation hat einen praktischen Wert, der weit über den Abschluss der Baustelle hinausreicht. Bei einem späteren Verkauf, bei einer Erweiterung oder bei einer Finanzierung kann der Nachweis verlangt werden, dass belastete Bauteile fachgerecht entfernt wurden. Ohne Unterlagen bleibt der Verdacht bestehen und lässt sich rückwirkend kaum ausräumen. Für alle Fragen zur Zulässigkeit von Verfahren und Entsorgungswegen gibt die zuständige Behörde die verbindliche Auskunft.
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Checkliste für den Umgang mit belasteten Baustoffen
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum Thema Schadstoffe Rückbau
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